Agentur-Alltag & Care-Gap: Die Logik-Lücke

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Marc
February 10, 2026
5 min read

In der Agenturwelt und der New-Work-Bubble feiern wir uns gerne für unsere Progressivität. Wir reden über Shared Leadership, Work-Life-Blending und flexible Remote-Optionen. Doch wenn man den Vorhang der hippen Glaskästen beiseite schiebt und in die privaten Wohnzimmer blickt, regiert oft noch ein Relikt aus dem Industriezeitalter: Die Entscheidung nach dem aktuellen Netto-Lohnzettel.

„Schatz, du verdienst doch eh fast nichts – bleib doch einfach zu Hause (oder geh in Minijob-Teilzeit).“ Dieser Satz ist der Endgegner jeder modernen Unternehmenskultur.

Das betriebswirtschaftliche Blindpixel

Wenn Paare am Küchentisch entscheiden, dass die Person mit dem geringeren Einkommen die Care-Arbeit übernimmt, nennen sie das „wirtschaftlich vernünftig“. Aus Agentursicht und gesamtökonomischer Perspektive ist es jedoch ein Desaster.

Teresa Conrad, Expertin für Geld, Zeit und Rollen, macht in der aktuellen Folge von Kreativchaos und Kaffeepause deutlich, dass wir hier eine massive Fehlkalkulation betreiben. Wir bewerten Arbeit nach dem aktuellen Cashflow, ignorieren aber die langfristigen Abschreibungen:

  • Opportunitätskosten: Der „Karriere-Knick“ ist kein kleiner Knick, sondern ein struktureller Wertverlust des Humankapitals. Wer aussteigt, verliert den Anschluss an Tech-Stacks, Netzwerke und Marktgeschwindigkeiten.
  • Asset-Erosion: Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist ein Asset. Wird sie für kurzfristige Liquidität (das höhere Netto des Partners) geopfert, riskieren wir Altersarmut und Abhängigkeitsverhältnisse, die in einer modernen Gesellschaft nichts mehr zu suchen haben.

2026er Mindset vs. 1950er Infrastruktur

Die Krux: Wir verlangen von Arbeitnehmern und Gründern im Jahr 2026 absolute Performance und digitale Agilität. Gleichzeitig arbeiten wir in Deutschland mit einer sozialen Infrastruktur, die noch immer auf dem Ernährermodell der Nachkriegszeit basiert. Wenn Kitas um 14 Uhr schließen und das Schulsystem bei jedem Schnupfen kollabiert, wird die „Flexibilität“, die wir in Agenturen so schätzen, zur reinen Privatsache der Mitarbeiter.

Das Ergebnis? Hochqualifizierte Fachkräfte (meistens Frauen) werden aus dem Markt gedrängt, nicht weil sie nicht wollen, sondern weil die Kalkulation am Küchentisch gegen sie ausfällt.

New Work braucht New Finance

Mein Take aus acht Jahren Selbstständigkeit und unzähligen Podcast-Stunden: Flexibilität ist kein Benefit, den man gewährt – es ist eine Management-Strategie. Ich selbst habe mich bewusst für ein Modell entschieden, das mir erlaubt, um 13 Uhr bei den Kids zu sein. Nicht als „Notlösung“, sondern als Teil eines bewussten Team-Designs.

Wir müssen aufhören, über Arbeitszeitmodelle zu sprechen, ohne über die ökonomischen Realitäten dahinter zu reden. Wer über New Work spricht, muss auch über den Gender Pension Gap und faire Finanz-Set-ups in Partnerschaften sprechen.

🎧 Deep Dive: Jetzt die neue Folge hören

In dieser Episode gehen wir mit Teresa Conrad dahin, wo es wehtut. Wir analysieren, warum das System uns in veraltete Rollen drängt und wie wir (als Paare und als Unternehmer) gegensteuern können.

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